Buchhaltung digitalisieren – Definition & Ablauf

12.02.2026 Buchhaltung digitalisier... Lesedauer: 8min

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Die Digitalisierung in Unternehmen hat viele verschiedene Facetten, unter anderem auch die Buchhaltung. Der folgende Artikel wird auf die einzelnen Prozessschritte, Details und Vorgänge eingehen, welche für das Digitalisieren der Buchhaltung notwendig sind. Denn der Übertritt in die digitale Welt ist nicht mehr nur eine Option, es ist ein „Muss“ für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und auch der Rechtskonformität, wie am Beispiel der E-Rechnungspflicht zu sehen ist.

Buchhaltung digitalisieren „kurz erklärt“

Die Buchhaltung zu digitalisieren dient in erster Linie dazu, die Effizienz zu steigern und Arbeitsprozesse zu vereinfachen.

Definition: Buchhaltung digitalisieren

Die Buchhaltung zu digitalisieren bedeutet, Daten und Prozesse von der analogen in die digitale Form zu überführen. Dies ermöglicht schnelleres und effizienteres Arbeiten, sowie die Unterstützung durch verschiedene Softwares, welche Prozesse automatisieren können.

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Ablauf

Die Umstellung auf die digitale Buchhaltung kann in acht Schritte unterteilt werden, welche im Folgenden ausgeführt werden.

Projektteam bilden

Die Buchhaltung zu digitalisieren, ist generell als ein firmeninternes Projekt zu betrachten. Demzufolge ist der erste Schritt, ein Projektteam zu bilden, welches vorwiegend aus Mitarbeitern der Finanzabteilung, aber auch aus Mitarbeitern anderer Abteilungen besteht. Zusätzlich sollte der Steuerberater des Unternehmens frühestmöglich einbezogen werden, um bei der Auswahl der Software und der Einhaltung der Vorschriften unterstützen zu können.

Vorschriften prüfen

Im nächsten Schritt sollten die rechtlichen Vorgaben und Pflichten geprüft werden, da diese die Grundlage für die Auswahl der richtigen Software sind. Besonders wichtig sind hierbei die GoBD und die Datenschutzgrundverordnung. GoBD steht für „Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“ und benennt damit die Basis für die Buchhaltung.

Softwareauswahl

Die richtige Software auszuwählen sollte in einem sehr ausgiebigen Prozess stattfinden. Viele Anbieter bieten kostenfreie Testzeiträume an, welche auch genutzt werden sollten. Dabei ist auf die verschiedenen Features, aber auch die Kosten zu achten. Anhand der Vorschriften, aber auch der individuellen Bedürfnisse des Unternehmens sollte eine Liste mit Bedingungen erarbeitet werden. Einige Softwares bieten ein höherpreisiges Gesamtpaket an, mit vielen Tools, die gar nicht benötigt werden, während andere eine günstige Starterversion offerieren, welche durch kostenpflichtige Features erweitert werden muss.

Ist eine engere Auswahl erstellt, sollte diese mit dem Steuerberater, aber auch mit dem Anbieter besprochen werden. Rechtliche Konformität ist selbstverständlich ein Muss, doch es gibt auch andere Punkte wie Wechselkosten, Schulungen, Wartung oder Service, deren Details abgeklärt werden sollten. Nur so kann die optimale Lösung gefunden werden.

Ebenfalls zu beachten ist die gegebenenfalls notwendige Hardware. Erweiterte Server oder schlichtweg neue Computer oder Laptops können notwendig sein, um die Buchhaltung zu digitalisieren.

Planung

Nachdem die Entscheidung gefallen ist, beginnt die Planung der Umsetzung. Es müssen Ziele definiert werden, Ablaufpläne erstellt und die Schnittstellen zu anderen Tools und Systemen des Unternehmens geklärt werden. Diese Systemübergänge sollten möglichst gut geplant werden, damit der laufende Betrieb reibungslos verläuft.

Auch die Kommunikation zu den anderen Abteilungen und betroffenen Personen muss gut geplant sein, damit das Unterfangen akzeptiert und angenommen wird.

Digitalisierung

Für die Umstellung auf die digitale Buchhaltung bzw. ein papierloses Büro allgemein ist die Digitalisierung ein entscheidender Schritt. Alle bestehenden, analogen Dokumente müssen eingescannt und archiviert werden. Dies bedeutet für das Unternehmen enormen Aufwand und wird deshalb oft bevorzugt an einen Scandienstleister, beispielsweise ScanProfi, ausgelagert.

Compliance-Prüfung

Compliance-Prüfungen werden in der Regel vom Steuerberater durchgeführt, welcher die Konformität nach rechtlichen Vorschriften final prüft. Dieser Schritt wird gerne übergangen, da alles augenscheinlich bereits geprüft wurde, doch es kann vorkommen, dass während der Einführung Fehler unterlaufen, welche schnellstmöglich beseitigt werden sollten.

Testing

Ist das Programm als rechtskonform bestätigt, kann das Testing beginnen. Hier führt das Projektteam eine partielle Simulation der Nutzung, einen Proof-of-Concept, durch. So soll festgestellt werden, ob es in den Abläufen noch Unklarheiten gibt oder ob alle Prozesse ordnungsgemäß ablaufen. Erst wenn die Experten keine Probleme mehr finden, kann das Projekt in die Veröffentlichung gehen.

Einführung

Als letzten Schritt wird das Buchhaltungsprogramm nun eingeführt. In einer Präsentation wird es den Mitarbeitern vorgestellt und etwaige Fragen können beantwortet werden. Darüber hinaus sollten auch Schulungen angesetzt werden, um den betroffenen Personen den Arbeitsalltag zu erleichtern und sie dem Programm näherzubringen.

Vor- und Nachteile

Auch wenn die Digitalisierung der Buchhaltung Schritt für Schritt zur gesetzlichen Verpflichtung wird, ist es dennoch wichtig, die Vor- und Nachteile zu kennen, um sie zu nutzen oder den Risiken entgegenzuwirken.

Pro

Automatisierung: Schafft Zeit für andere Aufgaben

Platz: Digitale Speicher benötigen kaum Lagerplatz

Kosten: Geringerer Papierverbrauch, Lagerkosten, Beschaffungskosten

Verfügbarkeit: Digitale Daten sind überall verfügbar, im Homeoffice und international

Rechtssicherheit: Softwares beinhalten meist aktuellste Informationen zu Steuergesetzen etc.

Analysen: Digitale Daten erlauben detaillierte Analysen für Optimierungen

Kommunikation: Erleichterung der Kommunikation mit Außenstellen wie Steuerberatern

Schutz: Online-Datenschutz nach der DSGVO ist einfacher zu bewerkstelligen

Contra

Investitionen: Die Anschaffung der Technik, Software, Schulungen etc. verursacht hohe Initialkosten

Sicherheit: Ohne ausreichende Sicherheitssysteme können Daten verloren gehen oder gehackt werden

Zeitaufwand: Das Einscannen der Dokumente und Belege kostet Zeit und Geld

Damit das Digitalisieren der Dokumente und Belege keine wertvollen Mitarbeiter einspannt und damit auch Betriebsabläufe verlangsamt, kann es ratsam sein, diesen Prozess an einen externen Dienstleister auszulagern. ScanProfi bietet hier eine sichere und zuverlässige Möglichkeit, analoge Daten jeglicher Art zu scannen und für Sie bereitzustellen.

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Rechtliche Grundlagen

Die digitale Buchhaltung folgt verschiedenen Richtlinien und gesetzlichen Vorschriften.

e-rechnungspflicht

GoBD steht für „Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“ und definiert vier Kernanforderungen an die digitale Buchhaltung:

  1. Unveränderbarkeit
  2. Vollständigkeit & Richtigkeit
  3. Zeitgerechte Erfassung
  4. Nachvollziehbarkeit

Die Abgabenordnung (AO) definiert die Buchführung für steuerliche Zwecke und Aufbewahrungsfristen.

Das Handelsgesetzbuch (HGB) legt die allgemeinen Grundsätze für ordnungsgemäße Buchführung für Kaufleute fest.

Um die Digitalisierung weiter voranzutreiben, wurde ab 2025 die E-Rechnungspflicht eingeführt. Diese besagt zunächst, dass alle Unternehmen ab dem 1. Januar 2025 elektronische Rechnungen (z.B. ZUGFeRD oder XRechnung) empfangen können müssen. In den kommenden Jahren bis 2027/28 müssen dann alle auch E-Rechnungen ausstellen können.

In der Praxis gibt es weitere Vorgaben und Empfehlungen, welche die digitale Buchhaltung noch effizienter machen.

  • Verfahrensdokumentation über die Annahme und Speicherung von Dokumenten, um rechtliche Konformität beweisen zu können.
  • Originalformate müssen genauso verwahrt werden, ein einfacher Ausdruck genügt hier nicht.
  • Eine revisionssichere Aufbewahrung ist nötig, damit die Archivierung den rechtlichen Anforderungen genügt.

Funktionen der Software

Eine Buchhaltungssoftware muss verschiedene Funktionen beinhalten und unterschiedlichsten Regeln gehorchen.

  • Automatisierung der Datenverarbeitung: Die automatische Buchung und Verarbeitung von Belegen spart Zeit bei routinemäßigen Aufgaben.
  • Gesetzliche Konformität: Eine Arbeitsweise entsprechend der GoDB und anderen rechtlichen Vorgaben ist verpflichtend.
  • Intuitive Handhabung: Das Tool sollte großteils ohne extensive Schulungen zu bedienen sein, um die Mitarbeiter nicht zu überfordern und Kosten gering zu halten.
  • Schnittstellen mit weiteren Programmen: Eine Integration mit DATEV oder CRM-Systemen sollte auf ihre Möglichkeiten geprüft werden.
  • Flexible Nutzung: Die Software sollte von unterschiedlichen Standorten und von unterschiedlichen Endgeräten aus nutzbar sein.

Wichtige Aspekte für Selbstständige

Neben den allgemeinen Richtlinien gibt es auch einige Aspekte und Vorteile für Einzelunternehmer und Freiberufler.

  • Trennung von privat und geschäftlich: Gerade im finanziellen Bereich sind diese Grenzen für Selbstständige oft fließend. Die Buchhaltung zu digitalisieren, hilft, diese Grenzen klar zu setzen.
  • Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR): Für Selbstständige reicht oft eine EÜR, welche sich über diverse Softwareprogramme unkompliziert erstellen lässt.
  • Vorteil durch Mobilität: Da die Buchhaltung unterwegs auch per App gepflegt werden kann, können Zwischenzeiten effektiv genutzt werden, beispielsweise indem Belege im Zug eingescannt werden.
  • Kosten beachten: Viele Programme kommen mit hohen Kosten oder speziellen Funktionen für Konzerne. Hier ist es wichtig, die Software genau auf ihren Nutzen zu prüfen.

Tipps

Zuletzt gibt es noch ein paar hilfreiche Tipps für die Umsetzung für das Buchhaltung digitalisieren.

  • Ein zentraler Rechnungseingang per Mail vereinfacht vieles für die Buchhaltung. Rechnungen müssen nicht mehr aus den verschiedenen Abteilungen zusammengetragen werden und können als digitale Versionen direkt ins System eingespeist werden. Hierfür bietet sich eine designierte Mailadresse wie rechnungen@unternehmen.de an.
  • Auch ein generell zentrales Datensystem, beispielsweise in einer Cloud, ist hilfreich für eine digitale Buchhaltung, da Mitarbeiter aus allen Abteilungen mit den entsprechenden Zugriffsrechten dort Daten ablegen und abrufen können.
  • Automatische Erinnerungen sind ebenfalls hilfreich, unter anderem für Deadlines und Zahlungsfristen, aber auch für Skonti.
  • Ein weiterer Tipp ist es, den Steuerberater enger in das Unternehmen einzubinden, damit dieser ggf. Prozesse optimieren und schneller auf Problemfälle reagieren kann.
  • Beim Einscannen der Dokumente sollte außerdem auf eine OCR-Texterkennung geachtet werden, damit die Daten auch vom Computer ausgewertet werden können.
  • Ebenfalls vorteilhaft sind digitale Unterschriften, welche den Online-Schriftverkehr deutlich erleichtern.

Häufig gestellte Fragen

Nicht vollständig. Ab 2025 wird allmählich die E-Rechnungspflicht eingeführt, welche ein erster Schritt in diese Richtung ist, und es sind weitere Regelungen denkbar. Die digitale Buchhaltung ist demnach aktuell nicht Pflicht, könnte es allerdings innerhalb der nächsten Jahre werden.

Nein, nicht jedes Dokument darf einfach digitalisiert werden. Ausnahmen sind beispielsweise:

  • Eröffnungsbilanz.
  • Jahresabschlüsse.
  • Zollanmeldungen.
  • Notarverträge und Urkunden.
  • Unterlagen mit Original-Unterschriften.
  • Dokumente mit Wasserzeichen.

Für eine digitale Buchhaltung ist eine passende Software notwendig, welche die Daten online verarbeitet. Zuvor müssen analoge Daten allerdings digitalisiert werden, was vorzugsweise über einen Scandienstleister stattfindet.