Datenmigration – Definition, Vorgehen & Checkliste

08.01.2026 Datenmigration Lesedauer: 9min

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In der heutigen Zeit besitzt jeder Mensch, egal ob Privatperson oder Unternehmer, eine Unmenge an Daten. All diese Informationen müssen auf Geräten, Servern oder in Datenbanken gespeichert und jederzeit abrufbar sein. Da die Menge an Daten jedoch immer weiter wächst, sind Speicherorte oft schnell überfüllt und die Daten müssen in einen neuen Speicher übertragen werden. Diese Übertragung wird auch als Datenmigration bezeichnet, welche im folgenden Artikel näher erläutert werden soll.

Datenmigration „kurz erklärt“

Datenmigration beschreibt die Übertragung von Daten von einem (Computer-)System auf ein anderes.

Definition: Datenmigration

Neben dem Digitalisieren von Daten spielt auch die Speicherung neuer Daten eine große Rolle in der Unternehmenswelt. Wenn alte Speichersysteme hier durch neue ersetzt werden, müssen die Daten übertragen werden. Dies bezeichnet man als Datenmigration.

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Gründe

Gründe für eine Datenmigration gibt es vielerlei. Meist geht es um veraltete Datenbanksysteme oder neue Anforderungen im Zuge von Firmenumstrukturierungen. Weitere Gründe sind:

  • Erhaltung der Leistungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit durch aktuellere Systeme
  • Umweltbelastung und Kostensenkung durch energetisch vorteilhaftere Varianten
  • Kostensenkung durch das Ersetzen von lokalen Rechenzentren mit Clouds
  • Sicherheit der Daten in einem professionellen Rechenzentrum garantieren
  • Zentralität für alle Abteilungen, internationale Unternehmen oder Homeoffice-Mitarbeiter

Vorgehen

Das Vorgehen bei einer Datenmigration kann in drei große Schritte unterteilt werden: Planung, Implementierung und Kontrolle.

Planung

In der Planung einer Datenmigration ist zunächst eine Festlegung der Verantwortlichen nötig. Das Projekt sollte von einer Führungsperson und einem Projektteam durchgeführt werden, um die bestmöglichen Ergebnisse zu liefern. Dieses Team klärt nun die Anforderungen, welche das neue System haben sollte, auf Basis der Gründe für den Wechsel, und wählt daraufhin das neue Programm aus.

Darauf folgt die Analyse der vorhandenen Informationen. Unter anderem geht es hierbei um die Inhalte, das Format, die Qualität oder auch den Zustand der Daten. Außerdem sollten das alte und das neue System bezüglich ihrer Anforderungen verglichen werden, um mögliche Anpassungen vorherzusehen.

Auch das Budget sollte in der Planung berücksichtigt werden, sowie die Erstellung eines Zeit- und Kommunikationsplans für einen reibungslosen Ablauf. Bei der Kommunikation helfen vordergründig die Maßnahmen des Change Managements.

Implementierung

Die Implementierung kann wiederum in drei Teilschritte unterteilt werden, welche im Folgenden erklärt werden.

  • Extraktion:
    Nach der Planung können die Daten dann aus dem Quellsystem extrahiert werden. Hierbei werden sie erfasst und gegebenenfalls aussortiert, falls einige davon nicht länger benötigt werden. Falls sie in ein bereits laufendes Zielsystem übertragen werden sollen, müssen sie auch mit den dort vorhandenen Daten abgeglichen werden, um Duplikate zu vermeiden.
  • Transformation/Konvertierung:
    Das Zielsystem ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einem anderen, technischen Stand und verfügt über andere Datenformate als das Quellsystem. Aus diesem Grund müssen sie in das neue Format konvertiert werden. Zudem kann in diesem Schritt eine weitere Selektion oder auch eine Reparatur beschädigter Daten geschehen.
  • Mapping:
    Der letzte Schritt, Mapping genannt, führt nun beide Systeme zusammen. Die Daten werden in das Zielsystem überführt und an der richtigen Stelle eingebettet.

Kontrolle

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Datenmigration muss das neue System auf Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit kontrolliert werden. Dies geschieht initial durch das Projektteam, darauffolgend jedoch auch von allen Abteilungen, betroffenen Personen und auch Kunden. Das Quellsystem muss während der gesamten Überprüfung erhalten bleiben, für den Fall, dass Fehler auftreten.

Best Practices

Mit Hilfe einiger Tipps und Tricks wird die Datenmigration ein sicherer Erfolg.

  • Daten und ihren Verwendungszweck verstehen:
    Wer den Umfang und die Eigenschaften der Daten kennt, kann gut abschätzen, welches Ausmaß die Migration hat. Hierfür sollten auch Informationen aus den einzelnen Abteilungen eingeholt werden, sowie Details über rechtliche Vorschriften.
  • Charakteristika des Quell- und Zielsystems verstehen:
    Der Vergleich des alten und neuen Systems ist entscheidend. Falls sich die Betriebssysteme, Datenformate oder Schemata nicht gleichen, müssen vor der Migration gegebenenfalls Anpassungen vorgenommen werden, sodass das neue System reibungslos funktioniert.
  • Rahmenbedingungen überprüfen:
    Oft werden bei Datenmigrationen nur die unmittelbar betroffenen Stellen berücksichtigt, also die Daten selbst und die Stakeholder. Eine Migration ist jedoch meist viel umfangreicher. Mietverträge von Rechenzentren, Verzögerungen im täglichen Geschäft, Datensicherheit während des Prozesses, Sicherung der Daten und ggf. Datenverlust, maximal erlaubte Dauer etc.

Arten

Datenmigration kann viele spezifische Aufgaben und Anwendungen haben. Unterschieden werden hier fünf Typen der Datenmigration. Es gibt jedoch noch weitere Arten der Migration im technischen Bereich, welche ebenfalls aufgelistet werden sollen.

Hauptkategorien

Im Rahmen der Datenmigration gibt es fünf verschiedene Haupttypen, welche unterschieden werden müssen.

Die Speichermigration ist die grundlegendste Form und bezeichnet die Übertragung von Daten von einem Speichergerät auf ein anderes. Diese können von gleicher oder auch unterschiedlicher Natur sein, sowie auch der Ort des Speichers gleich oder weiter entfernt in einem Rechenzentrum liegen kann.

In der Regel finden Speichermigrationen aus Effizienzgründen durch neue Technologien statt, aber auch mit der Hoffnung auf reduzierten Energieverbrauch oder besseren Datenschutz. Bei dieser Form wird selten das Format der Daten geändert, da sich lediglich der Speicherort ändert.

Bei einer Datenbankmigration wird das Datenbanksystem aktualisiert oder geändert. Hier ist häufig auch eine Datenkonvertierung notwendig, da das neue System andere Formate unterstützt. Mögliche Gründe für diese Migration sind eine Aktualisierung des bestehenden Systems oder ein Anbieterwechsel zu einem neuen System.

Eine Anwendungsmigration vereint in der Regel eine Speicher- und Datenbankmigration. Hier werden Daten in eine neue Computingumgebung überführt, da die neue Anwendung ein anderes Datenbanksystem benötigt. Damit die neue Anwendung das System vollständig nutzen kann, müssen Daten und Verzeichnisse exakt umgezogen werden.

Cloudmigration bezieht sich auf Datenmigrationen zwischen Cloudsystemen oder den Umzug von lokalen Speichern in eine Cloud. Letzteres ist unter Umständen etwas aufwendiger, da die Daten auch hier eventuell konvertiert werden müssen, abhängig vom Cloudsystem.

Der Wechsel zu einem Cloud-Speicher kann durch Platz- und Kostensparung motiviert sein, oder aber dazu dienen, eine bessere Erreichbarkeit von verschiedenen Standorten aus zu generieren.

Die Geschäftsprozessmigration hat den größten Umfang, da sie Daten, Datenbanken und Anwendungen, also alle Datenverarbeitungsprozesse, verändert und umzieht. Eine solche Umstrukturierung basiert meistens auf der internen Optimierung von Prozessen mit der Hoffnung auf gesteigerte Effizienz und Nutzerfreundlichkeit.

Weitere Migrationen

Neben der Datenmigration gibt es noch weitere Arten von technischen Migrationen, welche jeweils andere, spezifische Prozesse beschreiben.

Die Medienmigration bezieht sich auf den Umzug von Daten von einem Speichermedium auf ein anderes. Dies kann entweder durch das Ersetzen des Datenträgers durch denselben in neuerer Ausführung geschehen, beispielsweise einen alten USB-Stick durch einen neuen ersetzen, aber auch indem das Medium verändert wird, zum Beispiel von einer CD auf einen USB-Stick. Eine letzte Möglichkeit ist die Transformation oder das Repackaging, bei welchem das Format der Daten geändert wird, beispielsweise von einer .docx zu einer .pdf.

Eine Softwaremigration bezeichnet die Umstellung von einer Software auf eine andere, beispielsweise von einer alten (Legacy-)Software auf eine neuere, aktuelle Version oder schlichtweg einen Anbieterwechsel. Notwendig kann dies durch veraltete Techniken oder neue Anforderungen im Unternehmen sein.

Eine Hardwaremigration bezieht sich auf die Änderung der Hardware. Dies ist in der Regel ebenfalls mit einer Softwaremigration verbunden, da in den meisten Fällen die alte Hardware durch neue ersetzt wird, welche auch andere Softwareanforderungen hat. Hardwaremigrationen werden häufig durchgeführt, wenn der alte Server an Funktionsfähigkeit verliert oder der Speicherplatz nicht mehr ausreicht.

Bei Live-Migrationen geht es um virtuelle Maschinen (VM), welche während des laufenden Betriebs auf eine andere Hardware verschoben werden. Dies ist notwendig für die Entlastung und Wartung der Hardware.

Datenkonvertierung

Eine Datenkonvertierung kann in einigen Fällen Teil einer Datenmigration sein. Sie beschreibt den Vorgang, bei welchem die Inhalte in andere Formate übertragen werden, beispielsweise ein Textdokument in eine PDF. Zwar ist die Datenkonvertierung für die Migration nicht immer notwendig, oft jedoch der erste Schritt.

Risiken

In der Regel überwiegen die Vorteile oder auch der Bedarf nach einer Datenmigration. Dennoch gibt es einige Risiken, welche in der Planung bedacht werden sollten. Dazu zählen die Sicherheit der Daten während der Übertragung, lange Übertragungszeiten und eventuelle, höhere Kosten.

Oft wird nur die Sicherheit des Zielsystems betrachtet, doch auch während des Migrationsprozesses muss der Datenschutz eingehalten werden.

Auch die Dauer des Prozesses wird häufig unterschätzt oder kann schlecht kalkuliert werden. Netzwerkstörungen oder eine Beschränkung der auf einmal übertragbaren Datenmenge können hierbei zu Schwierigkeiten führen.

Zusätzliche Kosten können durch eine längere Übertragungsdauer entstehen, da viele Anbieter nach Zeit abrechnen. Eine möglichst genaue Planung ist hier also entscheidend für die Kostenkalkulation.

Tools

Die folgende Tabelle stellt einige Tools zur Datenmigration vor und beschreibt diese kurz.

Tool Kurzbeschreibung
Veeam Eine umfassende Plattform für Backup und Reaster Recovery, die physische, virtuelle und Cloud-Workloads sichert und deren nahtlose Migration ermöglicht.
Zerto Spezialisiert auf kontinuierliche Datensicherung (CDP), bietet Zerto extrem niedrige Wiederherstellungszeiten und automatisiert die Migration zwischen verschiedenen Hypervisoren oder Clouds.
Rclone Ein leistungsstarkes Kommandozeilen-Tool („das rsync für Cloud-Speicher“), das Dateien zwischen über 40 verschiedenen Cloud-Anbietern und lokalen Speichern synchronisiert.
Cyberduck Ein benutzerfreundlicher Open-Source-Client mit grafischer Oberfläche, der den Dateitransfer zu Cloud-Speichern wie S3, Azure oder Google Drive via FTP/SFTP vereinfacht.
Fivetran Ein vollständig verwalteter SaaS-Dienst, der Daten mittels automatisierter Konnektoren aus verschiedensten Quellen extrahiert und in Data Warehouses lädt (ELT).
Airbyte Eine Open-Source-Alternative zu Fivetran, die es Unternehmen ermöglicht, eigene Datenpipelines durch eine große Auswahl an vorgefertigten oder selbst entwickelten Konnektoren zu erstellen.
Talend Eine Enterprise-Datenintegrationsplattform, die komplexe ETL-Prozesse, Datenqualität und Governance in einer grafischen Entwicklungsumgebung vereint.
Matillion Ein Cloud-natives ETL/ELT-Tool, das speziell für die Transformation von Daten direkt innerhalb moderner Cloud-Data-Warehouses wie Snowflake oder BigQuery entwickelt wurde.
AWS DMS Ein Cloud-Service von Amazon, der Datenbanken schnell und sicher zu AWS migriert, wobei die Quelldatenbank während des Vorgangs meist betriebsbereit bleibt.
Azure Migrate Ein zentraler Hub von Microsoft, der Werkzeuge bereitstellt, um die Migration von Servern, Datenbanken und Web-Apps in die Azure-Cloud zu planen und durchzuführen.

Checkliste

Um bei der Datenmigration Ihres Unternehmens keine wichtigen Schritte zu vergessen, finden Sie hier eine Datenmigrations-Checkliste, welche alle wesentlichen Schritte aufzählt. Im Detail hängt der Ablauf natürlich vom Quell- und Zielsystem ab, mit welchem sich die Mitarbeiter vertraut machen sollten.

Datenmigration Checkliste
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Beispiele

Einige Beispielszenarien, in welchen Unternehmen auf Datenmigration setzen können oder müssen, finden Sie in diesem Abschnitt.

Beispiel 1

Ablösung eines Altsystems in der Finanzbranche
Ein Finanzdienstleister ersetzt eine veraltete Eigenentwicklung durch eine moderne Softwarelösung. Neben der Installation müssen sämtliche Informationen wie Kundenstammdaten, Verträge und aktuelle Salden zuverlässig in das neue System überführt werden.

Beispiel 2

Zusammenführung von Daten nach einer Firmenübernahme
Wenn ein Unternehmen ein anderes übernimmt, müssen die Datensätze beider Organisationen in einer gemeinsamen Infrastruktur zusammengeführt werden – etwa Mitarbeiterdaten, Produktinformationen oder Buchhaltungsdaten.

Beispiel 3

Migration von Datenbankinhalten in ein neues System
Eine IT-Abteilung überträgt Daten aus einer veralteten SQL-Datenbank in eine neue, cloudbasierte Datenbankplattform – inklusive Strukturabbildung, Datentransformation und Validierung.

Beispiel 4

Überführung von Office-Dokumenten in ein anderes Format
Ein Unternehmen wechselt sein Office-Paket, weshalb Dokumente mit eingebetteten Makros in das neue Format übertragen und teilweise angepasst werden müssen, damit sie weiterhin funktionieren.

Beispiel 5

Migration komplexer Tabellen mit Berechnungen
Ein Team migriert umfangreiche Excel-Dateien mit benutzerdefinierten Formeln und Skripten in ein neues Spreadsheet-System, ohne Berechnungslogik zu verlieren.

Beispiel 6

Konsolidierung mehrerer Anwendungen
Eine Organisation vereinheitlicht mehrere getrennte Fachanwendungen zu einer zentralen Lösung. Dabei müssen die Daten aus allen bestehenden Programmen strukturiert zusammengeführt werden, um künftig in einem einzigen System nutzbar zu sein.

Beispiel 7

Umstellung auf ein neues Zeichencodierungsformat
Eine Behörde migriert ihre digitalen Archive von ISO-8859-1 auf UTF-8, damit Sonderzeichen korrekt gespeichert und verarbeitet werden können.

Häufig gestellte Fragen

Datenmigration bezeichnet die Übertragung von Daten von einem Quellsystem auf ein Zielsystem.

Die Dauer ist abhängig von der Menge der Daten und den jeweiligen Systemen. Eine Cloudmigration von einer Cloud in eine andere benötigt oft weniger Zeit, da die Übertragung einfacher ist. Sind die Systeme verschieden und muss ggf. auch noch das Format der Daten geändert werden, kann der gesamte Prozess auch einige Wochen bis Monate dauern.

Die reine Übertragung selbst befindet sich oft in einem Zeitfenster von Minuten bis Stunden, abhängig von der Datenmenge.

Eine Datenmigration läuft in drei Schritten ab:

  • Planung: verantwortliche Personen festlegen, Prozess planen und kommunizieren, Analyse der Daten und Festlegung der Maßnahmen.
  • Implementierung: Daten aus dem Quellsystem extrahieren, falls nötig in ein neues Format konvertieren und schließlich ins Zielsystem überführen.
  • Kontrolle: Funktionalität und Vollständigkeit überprüfen, altes System erst löschen, wenn alles sicher funktioniert.